Das Fazit einer Umfrage des Bundesamtes für Statistik (BfS) zur Lebensqualität lautet: Geld macht glücklich. Doch es gibt noch viele andere Faktoren, welche die Zufriedenheit von Schweizerinnen und Schweizern mit ihrem Leben beeinflussen. Diese besprechen wir in diesem Artikel.

 

Wie die Zufriedenheit gemessen wird

Das BfS führt jährlich eine Umfrage zur Zufriedenheit durch. Die befragen Personen geben zu verschiedenen Fragen jeweils auf einer Skala von null bis zehn an, wie zufrieden sie sind. Antworten mit 8, 9 oder 10 Punkten werden als hohe Zufriedenheit gewertet. Die folgenden Daten in den Grafiken basieren auf der Erhebung von 2010, deren Ergebnisse im Januar 2012 veröffentlicht wurden. Sie zeigen jeweils an, wie viele Prozent der Befragten zu einem bestimmten Thema sehr zufrieden sind, also mit einem Wert von acht oder höher auf der Zehnerskala geantwortet haben.

Und bevor wir in die Details gehen: Die Zufriedenheit im Allgemeinen ist in der Schweiz hoch: 75% der Schweizerinnen und Schweizer sind glücklich.

 

Zufriedenheit nach Alter: Junge und Rentner am glücklichsten

Für viele vielleicht erstaunlich ist, dass nicht die Leute „in den besten Jahren“ am glücklichsten sind, sondern Jugendliche und Rentner. Nur in diesem beiden Kategorien sind mehr als 8 von 10 Befragten sehr zufrieden mit ihrem Leben:

Am unzufriedensten sind Menschen zwischen 25 und 49 Jahren. Zwei Gründe dafür sind das Geld und die Freizeit, wie die folgenden zwei Grafiken zweigen:

Sie sehen, dass ein deutlicher Unterschied zwischen den einzelnen Altersklassen besteht. Personen im Rentenalter sind hier deutlich glücklicher. Die Studie selbst gibt keine Gründe an, warum dass die subjektive Wahrnehmung so unterschiedlich ist. Beim Thema Freizeit ist es jedoch offensichtlich. Rentner arbeiten nicht mehr und haben dadurch viel mehr frei verfügbare Zeit. Das bedeutet nicht, dass ältere Menschen nur „Freizeit“ haben. Aber sie können in viel stärkerem Mass darüber entscheiden, wie sie ihre Zeit von Montag bis Freitag einsetzen. Bei Erwerbstätigen sieht hier der Alltag relativ trist aus. Der grösste Teil der Zeit unter der Woche muss am Arbeitsplatz verbracht werden.

Betreffend der Lebensqualität in Bezug auf die finanzielle Situation können nur Vermutungen angestellt werden. Sicher ist es aber so, dass eine Person mittleren Alters höhere Fixkosten als ein Rentner hat. Oft muss in dem Alter für Kinder gesorgt werden. Und die Ansprüche sind höher: jüngere Menschen haben teurere Hobbies, teurere Ferien und wechseln Gegenstände wie Auto, TV oder Kleider häufiger als ältere Menschen.

Ein wichtiger Aspekt zur Lebenszufriedenheit ist auch, mit wem man sich vergleicht und wie hoch die eigenen Ansprüche sind. Als Erwerbstätiger in jüngeren Jahren hat man hohe Ziele und findet immer jemanden, dem es besser geht. Im Alter sinken die Ansprüche an das Leben und man ist zufriedener mit dem, was man hat.

 

Geschlecht hat keinen, Nationalität hat grossen Einfluss auf Zufriedenheit

In der Studie fällt weiter ein signifikanter Unterschied auf, wie Schweizer und Ausländer in der Schweiz ihre Lebensqualität beurteilen:

Personen mit einem Schweizer Pass fühlen sich deutlich glücklicher als Europäer in der Schweiz. Und am unzufriedensten in der Schweiz sind Personen aus Ländern ausserhalb Europas. Auch hier können nur Vermutungen angestellt werden, warum die Unterschiede so gross sind. Mögliche Gründe gibt es viele. So spielt die Integration eine grosse Rolle. Deutschen fällt es in der Schweiz einfacher, sich zu integrieren als beispielweise Südeuropäern, weil sie mit Schweizern in ihrer Muttersprache kommunizieren können. Zudem ist es so, dass eher Fachkräfte aus Nord- und Westeuropa in die Schweiz kommen, während aus südlichen Ländern eher Hilfskräfte den Weg in die Schweiz finden. Das bedeutet, dass hier grössere Einkommensunterschiede bestehen. Und wie wir weiter unten zeigen ist das Einkommen ein Faktor, welcher die Lebensqualität mitbestimmt.

Sehr gering und statistisch nicht signifikant hingegen sind die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Dies gilt sowohl für Schweizer wie auch für (nicht in der Grafik dargestellt) für Ausländer.

 

Je besser die Bildung, desto glücklicher

Die nächste Grafik zeigt die steigende Zufriedenheit mit steigendem Bildungsstand:

Wir vermuten hier wiederum einen Zusammenhang mit dem Einkommen. Wer einen Universtitätsabschluss hat, verdient im Durchschnitt mehr Geld als jemand, der nur die obligatorische Schulpflicht erfüllt hat.

 

Arbeitslose sind häufig unzufrieden

Wenig erstaunlich ist die nächste Erkenntnis aus der Umfrage. Personen ohne Arbeit sind häufig nicht zufrieden mit ihrem Leben. So hatten nur zwei von fünf Arbeitslosen eine acht oder mehr auf der Zehnerskala zum Glücksempfinden angekreuzt.

Dabei geht es hier nicht nur ums Geld. Die Leistungen der Arbeitslosenversicherung in der Schweiz sind im internationalen Vergleich überdurchschnittlich. Es geht auch um Faktoren wie gesellschaftliche Anerkennung (wer möchte einen Arbeitslosen heiraten?), um Existenzängste (was passiert wenn man nicht in zwei Jahren eine Stelle findet) und um die Ungewissheit über die Zukunft.

 

Kinder machen nicht glücklicher, eine Partnerschaft hingegen schon

Erstaunlich für Paare, die Kinder haben, ist die folgende Auswertung. Zwar sind Paare mit zwei Kindern im Haushalt am glücklichsten, aber der Unterschied zu kinderlosen Paaren ist gering. Und Paare mit einem oder mit drei oder mehr Kindern sind leicht weniger häufig sehr zufrieden als kinderlose Paare. Die Unterschiede liegen jedoch innerhalb der statistischen Ungenauigkeiten bei der Befragung und sind somit nicht signifikant.

Einen grossen Einfluss hat allerdings, ob man alleine lebt oder zu zweit. Ein-Eltern-Familien sowie Einzelpersonen ohne Kinder sind seltener mit ihrer Lebenssituation zufrieden. Leider unterscheidet das BfS nicht zwischen Singles und Paaren, die einen getrennten Haushalt führen. So kann nur vermutet werden, dass Singles unzufriedener sind als Paare.

 

Eben doch: Geld macht glücklich

Hier bestätigt sich die Aussage, dass Geld eben doch glücklich macht. Das BfS hat die befragten Personen in fünf gleich grosse Gruppen eingeteilt. Sie sehen in der folgenden Grafik, dass die 20% der Schweizer in der Gruppe mit dem tiefsten Einkommen am wenigsten häufig zufrieden sind. Mit steigendem Einkommen steigt die Zufriedenheit an:

Wir schauen uns diesen Punkt noch detaillierter an, weil FinanzMonitor.com ein Portal ist, welches das Thema Geld behandelt. In der folgenden Grafik sehen Sie nochmals die fünf gleich grossen Gruppen mit den aufgeführten Äquivalenzeinkommen dargestellt, dieses mal mit der Zufriedenheit aufgeilt in die Bereiche

  • Finanzielle Situation
  • Wohnsituation
  • Freizeitaktivitäten
  • Vorhandene Freizeit

Die ersten drei dieser Messwerte steigen mit zunehmendem Einkommen an. Der Anstieg ist jedoch unterschiedlich. So steigt die Zufriedenheit mit der finanziellen Situation beim Vergleich der einzelnen Einkommensklassen pro Gruppe um jeweils etwa 7 Prozentpunkte an. Die Beurteilung der Wohnsituation hängt direkt mit dem Einkommen zusammen. Verdient man mehr, kann man sich auch eine schönere, grössere, zentralere oder ruhiger gelegene Wohnung leisten. Die Steigerung je Gruppe beträgt jedoch nur noch etwa 2%. Und bei den Freizeitaktivitäten beträgt die Steigerung nur noch etwa 1%.

Mehr Geld zu verdienen bedeutet für die Befragten aber auch, weniger Freizeit zur Verfügung zu haben. Mit steigendem Einkommen sinkt die Zufriedenheit mit der Beurteilung des Punktes „vorhandene Freizeit“. Betrachtet man die Daten, so zeigt sich aber, dass frei verfügbare Zeit weniger wichtig als ein steigendes Einkommen ist bei der Beurteilung der eigenen Lebensqualität. Und noch etwas zeigt diese Auswertung: Besser zu verdienen bedeutet, mehr arbeiten zu müssen.

 

Lebensqualität und Wohnort

Als letzten Punkt besprechen wir den Zusammenhang der Lebensqualität mit dem Wohnort. Menschen, die in Städten wohnen, sind weniger glücklich als Menschen, die auf dem Land wohnen:

Obwohl das Leben in dicht besiedeltem Gebieten viele Vorteile wie kürzere Wege zur Arbeit und zu Einkaufsmöglichkeiten sowie grösseres kulturelles Angebot bietet, sind Menschen ausserhalb der Ballungsräume glücklicher mit ihrem Leben. Tiefere Mieten, ruhigere Wohnlage und mehr soziale Kontakte mit dem Umfeld sind einige der denkbaren Gründe dafür.

Das spiegelt sich auch in diesem Diagramm wieder, wo die Zentralschweiz den Spitzenplatz einnimmt, während der Ballungsraum Zürich an zweitletzter Stelle liegt:

Fazit zur Lebensqualität in der Schweiz

Wir haben Ihnen hier  anhand der Daten der BfS-Umfrage die wichtigsten Faktoren vorgestellt, welche die Zufriedenheit beeinflussen. Einige davon können Sie nicht beeinflussen (wie Alter oder Nationalität), andere wie die finanzielle Situation auf lange Sicht hingegen schon. Und hier auf FinanzMonitor.com finden Sie Tipps, wie Sie Geld sparen können. Die besten Tipps haben wir übrigens in Kurzform als kostenloses eBook veröffentlicht. Klicken Sie hier, um sich Ihr Gratis-Exemplar zu sichern.

Wir weisen Sie darauf hin, dass die Grafiken Durchschnittswerte anzeigen. Jeder Mensch ist jedoch unterschiedlich. Ein wichtiger Faktor ist – so haben Glücksforscher herausgefunden – die Vergleichsgruppe. Menschen vergleichen sich nicht mit dem Durchschnitt, sondern mit den Personen aus ihrem Umfeld. Ein Tipp zur Erhöhung der subjektiv wahrgenommenen Lebensqualität ist deswegen, sich nicht mit bessergestellten Personen, sondern mit dem Durchschnitt oder mit schlechter gestellten Personen zu vergleichen. Und noch besser ist natürlich, sich gar nicht vergleichen zu wollen – einfach weil das Leben, das man führt, „genau so passt, wie es ist“.

Was denken Sie über die Ergebnisse aus der Auswertung? Und was sind Ihre Tipps zum Glücklichsein?