Dieser Titel ist provokativ gewählt. Aber wir zeigen Ihnen hier auf, dass langfristig betrachtet Festhypotheken mit einer Laufzeit von 10 Jahren meistens eine schlechte Wahl gewesen sind. Das bedeutet, dass Hauseigentümer den Banken zu viel Geld bezahlen, weil sie sich für eine zu teure Hypothek entschieden haben. Lesen Sie hier, warum.
Festhypotheken: Lange Laufzeiten sind 1.0 bis 1.5 Prozent teurer
Festhypotheken wären grundsätzlich eine gute Wahl. Und die Schweizer bestätigen das: Über 80% aller neu abgeschlossenen Hypotheken sind Festhypotheken. Aber wenn die überwiegende Mehrheit der Schweizer eine Festhypothek wählt, bedeutet das nicht, dass das zwingend die beste Wahl ist. Doch betrachten wir zuerst die zwei wichtigsten Vorteile von Festhypotheken:
- Sie wissen genau, wie hoch Ihre monatliche Belastung über Jahre hinweg sein wird
- Sie sind vor dem Risiko eines Zinsanstiegs geschützt, zumindest während der Dauer der Laufzeit der Festhypothek
Diese Sicherheit hat aber Ihren Preis: Festhypotheken mit 10 Jahren Laufzeit weisen im Durchschnitt einen Zins auf, der 1.0 bis 1.5% höher ist als derjenige von 2jährigen Festhypotheken. Sie sind skeptisch? Hier können Sie die aktuellen Schweizer Hypozinsen vergleichen und wenn wir uns nicht gerade in einem aussergewöhnlichen wirtschaftlichen Umfeld bewegen, werden Sie die Bestätigung für obige Aussage finden.
Unsere Aussage, dass Festhypotheken mit langer Laufzeit deutlich teurer sind als Festhypos mit kurzer Laufzeit widerspiegelt sich auch in der Zinskurve. Betrachten Sie die Zinskurve Schweiz für die Jahre 2000 bis 2010:

Die Grafik zeigt die Zinsen, die man für Bundesobligationen mit verschiedener Laufzeit in der Vergangenheit erhalten hat (Quelle der Rohdaten: Schweizerische Nationalbank SNB, Auswertung und Grafik: www.finanzmonitor.com). Betrachten Sie die unterste, orangefarbene Kurve: Sie sehen, dass Mitte 2010 2jährige Bundesobligationen eine Rendite von 0.5% pro Jahr abwarfen. „Eidgenossen“ mit einer Laufzeit von 10 Jahren wiesen eine Rendite von 2.0% auf. Und dieses Bild der steigenden Zinskurve zeigte sich in allen untersuchten Perioden zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Langfristige Bundesobligationen erzielten jeweils 1.0 bis 1.5% mehr Zins als kurzfristige Staatsanleihen. Und dasselbe gilt für Festhypotheken, wobei die Zinsdifferenz noch höher ausfallen kann.
Was bedeutet das? Das bedeutet, dass Hausbesitzer im Durchschnitt 1.0 bis 1.5% mehr Zins bezahlt haben, wenn sie Laufzeiten von 10 Jahren statt von 2 Jahren gewählt haben. Und hier geht es um viel Geld: Bei einer Hypothek über 500‘000 Franken entspricht 1% Zins über 10 Jahre ganzen 50‘000 Schweizer Franken.
Festhypothek: Das Problem mit der Verteilung der Fristen
Vielleicht werden Sie jetzt einwenden, dass das ja kein Problem ist, da Sie sowieso nicht alles auf eine Karte gesetzt haben und deswegen Ihre Hypothek in zwei Tranchen aufgeteilt haben, z.B. in eine mit 5 Jahren Laufzeit und eine mit 10 Jahren Laufzeit. Auch das ist wiederum eine grundsätzlich gute Idee. Sie verteilen so das Risiko, den ganzen Betrag dann refinanzieren zu müssen, wenn vielleicht gerade sehr hohe Zinsen bestehen. Und zudem bezahlen Sie mit diesem Ansatz ja nur auf der Hälfte des Betrages höhere Zinsen wegen der langen Laufzeit. Die andere Hälfte mit 5 Jahren Laufzeit weist wegen der kürzeren Dauer einen tieferen Zinssatz auf. Das stimmt, aber nur bei der ersten abgeschlossenen Hypothek.
Überlegen Sie sich, wie lange Sie in Ihrem Eigenheim wohnen werden. Viele Schweizer, die sich den Traum vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung verwirklicht haben, bleiben bis fast zum Ende ihres Lebens in den eigenen vier Wänden. Ein Haus zu kaufen und zu finanzieren ist deswegen oft etwas, was Jahrzehnte Bestand hat. Der Zeithorizont muss entsprechend lange gewählt werden, 10, 20 oder auch 30 Jahre. Und hier liegt das Problem mit der 5jähirgen Festhypothek und dem Aufteilen der Fälligkeit: Wollen Sie nach Ablauf von 5 Jahren die eine Tranche verlängern, dann müssen Sie diese mit einer 10 Jahres-Festhypothek ersetzen. Nur so ist weiterhin ein Abstand der Fälligkeit von 5 Jahren bei den beiden Tranchen gewährt:

Das bedeutet, dass Sie langfristig betrachtet jeweils nur noch Hypotheken mit der längsten gewählten Dauer abschliessen werden. Dies ist unabhängig davon, wie viele verschiedene Festhypotheken Sie abschliessen und welches die maximale Dauer ist. Und das bedeutet wiederum, dass Sie – langfristig betrachtet – zu viel Zins bezahlen werden.
Langlaufende Festhypothek: Das Märchen mit den steigenden Zinsen
Sie werden praktisch nie einen Berater einer Bank finden, der Ihnen sinkende Zinsen prognostiziert. Meistens sagten die Banken in der Vergangenheit steigende Zinsen voraus – und lagen damit auch meistens falsch.
Überlegen Sie sich folgendes: Würde Ihnen Ihre Bank heute eine 10jährige Festhypothek zu einem sehr tiefen Zins geben, wenn sie stark steigende Zinsen erwarten würde? Nein. Die Bank muss sich ja refinanzieren. Das bedeutet, dass wenn Sie Ihnen einen Kredit gibt, es einen Sparer geben muss, der seinerseits Geld bei der Bank anlegt. Die Bank verdient Geld, indem Sie Geld teurer ausleiht als sie es selbst verzinst.
Das heisst nichts anderes, als dass die Zinserwartungen der Bank für die Zukunft bereits in den Ihnen offerierten Hypothekarzinsen enthalten sind. Der Abschluss einer Festhypothek über eine lange Dauer macht somit am ehesten noch Sinn, wenn Sie denken, dass die Zinsprognosen der Bank falsch sind und dass die Zinsen für Hypotheken stärker als von ihr erwartet steigen werden.
Zudem verwenden Ökonomen den Begriff „Liquiditätspräferenztheorie“. Demnach bevorzugen Anleger kurzfristig verfügbares Geld. Für die langfristige Anlage verlangen Anleger eine Prämie. Und diese Prämie drückt sich in der Zinskurve aus und beträgt in der Schweiz 1.0 bis 1.5% für Anlagen für zehn Jahre im Vergleich zu Anlagen für zwei Jahre.
Festhypothek: Der Fussfessel
Sicher wollen Sie für immer und ewig in Ihrem Traumhaus wohnen. Aber es kann dennoch sein, dass dies bei Ihnen nicht der Fall sein wird. Vielleicht wechseln Sie die Stelle, vielleicht verlieren Sie dauerhaft Ihre Arbeitsfähigkeit, vielleicht trennen Sie sich von Ihrem Ehepartner, und vielleicht wollen Sie auch einfach nur umziehen. All dies sind Risiken, die Sie vor dem Abschluss einer Festhypothek über zehn Jahre berücksichtigen sollten. Denn wenn Sie eine Festhypothek frühzeitig auflösen wollen, verliert Ihre Bank Geld, falls das Zinsniveau seither konstant geblieben ist oder gesunken ist. Ihre Bank wird in der Regel eine Ausstiegsentschädigung für die entgangene Rendite verlangen. Ein frühzeitiger Ausstieg aus einer Festhypothek kann somit ein teures Unterfangen sein.
Die Alternativen zur 10-Jahres Festhypothek
Welche Alternativen zu einer langjährigen Festhypothek sollten Sie in Betracht ziehen? Wenn Sie das Geld nur von der Bank ausleihen können, haben Sie drei Möglichkeiten:
- Variable Hypothek: Hier ist die Kündigungsfrist meist kurz und beträgt nur drei oder sechs Monate. Die Zinsen sind aber wenig attraktiv und die Bank hat hier den vollen Spielraum, die Zinsen anzupassen
- Libor-Hypothek: Eine Libor-Hypothek ist in Zeiten von sinkenden, stabilen oder nur leicht steigenden Zinsen die beste Wahl. Vorausgesetzt, sie können mit der Unsicherheit leben und legen das gesparte Geld zur Seite
- Alternativ können Sie sich auch für eine Festhypothek mit kurzer Laufzeit wie etwa 2 Jahre entscheiden und diese jeweils wieder verlängern. Historisch betrachtet fahren Sie damit 1.0 bis 1.5 Prozent günstiger als mit sehr langfristigen Festhypotheken. In diesem Fall sollten Sie aber als Alternative die Libor-Hypothek – ggf. mit Zinsabsicherung gegen oben – in Betracht ziehen und die Zinsen vergleichen
TIPP: Eine Möglichkeit, Hypothekarzins-Kosten zu sparen ist, die Zinsen zu vergleichen und die Immobilie bei der Bank mit dem besten Angebot zu finanzieren. Sie können so – auch wenn Sie letztendlich doch eine langjährige Festhypothek wählen – viel Geld sparen.
Hier geht es zu unserem Hypothekarzinsen Vergleich.
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Guten Tag! Spannende Infos auf Ihrer Website, danke. Aufgrund eines sehr attraktiven Angebot für Festhypotheken sind wir trotzdem “verunsichert”, ob Libor das richtige ist. Der Grund: Wir haben ein konkretes Angebot von AXA Winterthur mit Zinssätzen von 1.68% für 10 Jahre, bei kürzeren Laufzeiten entsprechend noch etwas günstiger. Voraussetzung ist jedoch eine Amortisation über eine Lebensversicherung (hier kennen wir uns überhaupt nicht aus). Sollte man bei solch tiefen Zinsen nicht doch auf Nummer sicher gehen und eine Festhypothek für 10 Jahre abschliessen? Würden Sie den gesamten Betrag von ca. 1 Mio. Hypothek “en bloc” machen oder doch eine Staffelung in Tranchen, falls ja wie? Im Wissen dass es weder richtig noch falsch gibt und man erst im Nachhin alles genau wissen kann, freuen wir uns trotzdem auf Ihre Meinung. Besten Dank!
Herzlichen Dank für Ihr Lob Christof!
Aktuell haben wir eine spezielle Situation bei den Zinsen. Hypotheken waren noch nie so günstig wie jetzt. Gleichzeitig verlangen Banken einen höhere Marge auf Libor-Hypotheken als noch vor einem halben Jahr. So waren Libor-Hypotheken zwar über die letzten 10 Jahre die beste Wahl, sind aber aktuell im Vergleich zu “risikolosen” 3jährigen Festhypotheken gleich teuer und damit unattraktiv. Das kann sich aber rasch wieder ändern.
Wenn Sie viel Risiko eingehen wollen und können, dann wählen Sie jetzt eine Festhypothek für 3 Jahre zu etwa 1%.
Wenn Sie wenig Risiko eingehen wollen/können und das Haus 10 Jahre behalten wollen, machen Sie jetzt in dieser Zinssituation keinen grossen Fehler, wenn Sie für den ganzen Betrag eine 10jährige Festhypothek für etwa 2% abschliessen. Sie werden Ihr Haus so günstiger finanzieren als die grosse Mehrheit der Schweizer in den Jahrzehnten zuvor. Klar, wenn die Zinsen lange tief bleiben, kostet Sie das trotzdem viel Geld (1% Zinsunterschied auf 10 Jahre bei einer Million Schweizer Franken entspricht 100’000 CHF). Aber Sie schlafen 10 Jahre lang ruhig.
Eine Aufteilung der Hypothek in Tranchen macht – siehe Artikel oben – weniger Sinn. Sie verlieren auch Verhandlungsmacht, wenn es dann um die Verlängerung der Hypothek geht. Eine Aufteilung macht allenfalls Sinn, wenn Sie davon ausgehen, Teile der Hypothek in den nächsten Jahren direkt amortisieren zu können, z.B. weil Sie viel sparen können oder weil Sie eine Erbschaft o.ä. erwarten.
Zum Angebot der Axa Winterthur: In der Regel schliesst man eine Lebensversicherung für sehr viele Jahre ab, die eigene finanzielle Situation ändert sich mit den Jahren aber. Ein Ausstieg ist nur mit höhen Kosten (Verlust eines Teils der Einzahlungen) möglich. Überlegen Sie sich, ob Sie wirklich eine Lebensversicherung benötigen. Wenn ja, dann sollten Sie mehrere kombinierte Angebote Hypothek + Lebensversicherung einholen (z.B. auch noch bei der Swiss Life). Wenn nein, dann sollten Sie von der Axa Winterthur ein Angebot nur für die Hypothek einholen und dieses dann mit anderen Angeboten vergleichen.