Stephan Tchen: Kaufen auf Kredit? Nein danke!

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Stephan Tchen über die Unsitte, Konsumgüter auf Pump zu kaufen.

Wenn ich mir diese Frage selbst stelle, antworte ich mit “Nein, danke”.

  • Variabler Kredit für viel Flexibilität.
  • Lombardkredit: Ihre Brücke zu finanzieller Flexibilität.
  • Günstiger Kredit mit Sofortzusage für mehr Flexibilität.

Mehr Flexibilität geht wohl nicht. Die Kreditgeber zeigen Ihnen auf, wie viel Flexibilität sie Ihnen angeblich bieten können. Dementsprechend aggressiv versuchen sie Sie als Kreditnehmer abzuwerben. Die Sache mit der Flexibilität bzw. Freiheit ist immer davon abhängig, auf welche Zusammenhänge man aufmerksam macht. Der Kreditgeber bietet Ihnen die Flexibilität bezüglich der Zahlungstermine und der Höhe des aufgenommenen Kapitals. Anderes Produkt, andere Features. Das gilt auch bei den Krediten. Die weit verbreiteten Kredite kann man jedoch auf einen gemeinsamen Nenner bringen.

Kredite geben Ihnen die Freiheit so viel auszugeben, wie Sie mit Ihrem Kreditgeber vereinbart haben.

Sie gibt Ihnen aber nicht DIE Freiheit im Alltagsleben. In Wirklichkeit leisten Sie sich einen kurzfristigen Wohlstand, nämlich für den Moment so viel auszugeben, wie Sie wollen, und als Gegenleistung geben Sie Ihre zukünftige Freiheit ab. Was ich damit sagen will: Kredite kosten Ihnen schlussendlich immer mehr Geld, als Sie ausgeben. Bei derart abnormalen Zinssätzen von 15% pro Jahr muss man sich wirklich überlegen, wann und ob man Kredite aufnehmen soll.

Ach ja, Banken, die mit “günstigen 1,5% Zinsen” werben, können Sie praktisch in den gleichen Topf schmeissen, wie diejenigen, die mit 15% Zinsen werben. Diese 1,5% beziehen sich auf einen Monat – wie würde sonst die Bank ihr Geld verdienen? 12 Monate mal 1.5 ergibt 18% Zinsen pro Jahr. Ist das immer noch günstig? Man gewöhnt sich dran. Hinzu kommen noch die Zinseszinsen, wenn Sie nach einem Jahr Ihre Rechnungen immer noch nicht bezahlt haben. Kommen Sie dann bloss nicht auf die Idee, eine weitere Kreditkarte zu beantragen um die erste (und hoffentlich letzte) Kreditkarte zu tilgen.

 

Eine Kreditkarte, eine Schere

Der beste Grund eine Kreditkarte zu beantragen, ist wahrscheinlich der, dass man etwas sofort kaufen kann. Doch nicht einmal der vermeintlich beste Grund, ist gut genug. Es gibt natürlich geeignete Situationen, wo es wirklich sinnvoll ist, eine Kreditkarte einzusetzen. Das ist immer dann der Fall, wenn Sie eine “Investition” tätigen. Und damit meine ich nicht irgendeine Anschaffung, wie z.B. ein Auto – was ich über Neuwagen denke, wissen Sie bereits. Fall nicht, lesen Sie diesen Artikel: Kostenfaktor beim Autofahren.

Eine Investition könnte z.B. ein Seminar oder ein Buch über Aktien sein, damit Sie als Privatanleger Ihre Wissenslücken füllen, um später Geld zu erwirtschaften oder zumindest weniger verlieren. In Konsumfällen ist für mich die Kreditkarte tabu.

Wenn Sie weiblich und zufällig meine Frau wären, deren Konsumabsichten durchschaubar sind, dann würde ich Ihre Kreditkarte mit einer Schere in zwei Stücke zerfetzen.

Einfach so, weil eine Kreditkarte für den Konsum völlig überflüssig ist. Gründe, wie:

  • Ich will diese Schuhe unbedingt, aber mag nicht bis Ende Monat warten.
  • Ich will unbedingt das neue iPad besitzen, aber es ist noch zu teuer. Ich weiss aber, dass ich noch Geld bekomme.

sind meines Erachtens keine guten Gründe. Ich akzeptiere diese Aussagen auch nicht als Grund, sondern sehe sie als schlechte Ausreden. Wieso können Leute nicht warten, bis man genug Geld hat, um etwas zu kaufen? Dass jeder eine Kreditkarte hat, ist doch ein Zeichen für Insolvenzgefahr bei allen Individuen, die im Besitz einer solchen sind. Diese Tatsache verstösst gegen das Grundprinzip ‘mehr einnehmen als ausgeben’.

 

Heute kaufen, (Zeitpunkt) bezahlen

Diese Aktion ist mir von Interdiscount bekannt. Jeweils am Ende jeden Jahres wirbt Interdiscount mit dem Slogan “Heute kaufen, im nächsten Jahr bezahlen”. Sie gibt Ihnen (bzw. uns) die Chance jetzt einzukaufen und erst später, also im nächsten Jahr – zu bezahlen. Meines Wissens verlegen sie den Zahlungstermin auf Ende April, ich könnte mich aber auch täuschen.

Ich hätte zwar gerne ein Macbook gekauft. Doch wirklich gekauft habe ich nichts, da ich leider kein Geld hatte.

Was geht jetzt bei Ihnen im Kopf vor? Was hätten Sie in meiner Situation gemacht? Hätten Sie es gekauft, eben WEIL Sie kein Geld haben und Interdiscount Ihnen die Chance gibt später zu bezahlen? Falls Sie so gedacht haben, macht nichts. Es braucht in Ihrem Konsumverhalten nur eine winzige Modifikation. Prägen Sie sich folgenden Satz in Ihren inneren Datenträger ein: Jeder Kauf auf Kredit bringt Sie einen Stück näher an die Insolvenz.

Sie schlagen somit den direkten Weg in die private Insolvenz ein, Ihr Ziel ist es aber, den direkten Weg zum privaten Reichtum zu finden. Es sind die vielen kleinen Dinge, die reiche und arme Menschen unterscheiden. Potenziert man “viele kleine Dinge” um ein Vielfaches, so ergibt sich ein hohes Resultat: Reichtum ist ein Exponent: Gute Menschen, schlechte Menschen?

Zurück zu Interdiscount: Diese Aktion ist eine schlaue Strategie, ihre Kunden dazu verleiten ihre Weihnachtsgeschäfte vorzeitig im Interdiscount zu tätigen. Sie wissen genau, dass viele Erwerbstätige Ende Jahr, teils schon Anfang Dezember ihren 13. Monatslohn erhalten. Diesen 13. wollen sie dann von ihren Kunden abkassieren. Dadurch, dass man erst im nächsten Jahr bezahlen muss, hat der Kunde einen noch grösseren Anreiz, mehr auszugeben. Interdiscount macht das schon seit Jahren so, und das mit Erfolg. Es ist eine bekannte Konsumfalle, in die viele immer wieder hineinfallen.

 

Nie mehr in die Konsumfalle – das Verschiebungsprinzip

Wer Geld hat Einkaufspreis samt Zinsen zu bezahlen, hat auch Geld etwas zu kaufen, ohne überhaupt Zinsen zu zahlen.

Macht das Sinn? Das Zitat ist selbsterklärend. Auf das Angebot “Heute kaufen, im nächsten Jahr bezahlen” einzugehen, macht für mich aber keinen Sinn. Ich versuche es Ihnen mit einem einfachen Prinzip zu erklären, warum. Nennen wir es das “Verschiebungsprinzip”. Dabei gehe ich davon aus, dass diejenigen, die heute kaufen und im nächsten Jahr bezahlt haben, von der privaten Insolvenz verschont worden sind.

Der Durchschnittsmensch ist in einer Firma angestellt und bezieht in regelmässigen Zeitabständen ein konstantes Erwerbseinkommen. Das bedeutet, während des Jahres verdient er nicht mehr und nicht weniger, keinen Cent. Kauft er Ende Jahr im Interdiscount grosszügig auf Pump ein, muss er in den darauf folgenden Monaten sehr sparsam mit Geld umgehen.

  • “Ich muss sparen, ich habe über Weihnachten viel ausgegeben.”
  • “Ich habe zu viel im Interdiscount eingekauft. Im April warten hohe Rechnungen auf mich.”

Wie Sie sehen, der Durchschnittsmensch ist über Weihnachten sehr grosszügig beim Konsumieren. Doch wie Herkules schafft er es immer seine Rechnungen im April zu bezahlen. Ist das nicht merkwürdig? Spätestens jetzt müssen Sie gemerkt haben, dass etwas faul ist (oder keinen Sinn macht)! Taufen wir den Durchschnittsmensch in Otto Normalo. Otto Normalo kauft immer auf Pump ein, aber schafft es immer seine Rechnungen samt Zinsen zu bezahlen, ohne Konkurs zu gehen.

Es ist wie ein Bumerang: Er kauft für einen gewissen Wert ein und bezahlt später mehr zurück. Ein Bumerang fliegt immer stärker zurück als man ihn abwirft. In diesem Fall hat Otto Normalo etwas Grundlegendes nicht verstanden. Was man samt Zinsen bezahlen kann, kann man auch zinsfrei bezahlen.

Otto Normalo hat es nicht fertig gebracht, seine Einkäufe zinsfrei zu tätigen. Verhindert wurde er von sich selbst. Er hat zum falschen Zeitpunkt gespart, gleichzeitig aber zum falschen Zeitpunkt ausgegeben. Sehen wir es so: Wenn Otto Normalo in der Lage ist, in der Zeitspanne von Januar bis April sparsam zu sein, dann kann er das auch in der Zeitspanne von September bis Dezember. Hätte er also seinen Sparmodus um drei Monate nach hinten verschoben, so hätte er sich die Zinsen erspart. Machen Sie es besser als er und prägen Sie sich noch einen letzten Grundsatz in Ihren internen Datenträger ein:

Zinsen sind böse, vorausgesetzt Sie sind der Kreditnehmer. Es zwingt Sie dazu, mehr zu zahlen als Sie eigentlich müssten. Lernen Sie Zinsen zu umgehen. Das schützt Ihnen vor weiteren Problemen.

In der Praxis werden oft Ursache und Wirkung verwechselt. Schulden sind nicht die Ursache für das Problem. Die Schulden sind die Wirkung, welche von den Zinsen verursacht werden. Die Kreditaufnahme war die Ursache für diese Wirkung.

Kaufen auf Pump? Nein, danke. Die Kreditgeber sind schon reich genug, sonst würden sie ihr Geschäftsmodell ändern. Diese bereichern, das müssen Sie nicht, bereichern Sie sich selbst. Keinen Kredit aufnehmen wäre schon ein guter Schritt.

 
Veröffentlicht am 10.09.2014
Autor: Dieser Beitrag wurde von Stephan Tchen verfasst.

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