Stephan Tchen: Warum die absolute Lohnhöhe nicht entscheidend ist

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Stephan Tchen über die Höhe des Lohns und deren Einfluss auf die Zufriedenheit.

Gehören Sie auch zu denjenigen Leuten, die eifersüchtig auf den Reichtum anderer sind?

Wenn Sie einigermassen gut verdienen und diese Frage mit “Ja” beantworten, dann sollten Sie alles aus einer anderen Sichtweise betrachten. Ich will nicht darauf hinaus, dass viele Leute in ärmeren Ländern einen schlechteren Lebensstandard haben. Vielmehr möchte ich, dass Sie sich selbst die Frage stellen, ob Sie mit Ihrem aktuellen Job glücklich sind oder nicht. Falls Sie es sind, freue ich mich sehr für Sie. Ich bin der Meinung, dass der Wert des Gehalts sehr vom eigenen Glücksgefühl abhängt.

Unzufriedenheit im Job verringert den Wert von Ihrem ausbezahlten Gehalt.

Legen Sie vor allem Wert darauf, einen Job auszuüben, der Ihnen eine Menge Spass bereitet. Die Höhe des Gehalts sollte zweitrangig sein. Dieses Denken hat folgende Vorteile:

  • Sie sind motivierter im Job. So profitiert auch Ihr Arbeitgeber mehr von Ihnen.
  • Sie haben mehr Lebensfreude, was sehr wertvoll und schlussendlich der Sinn des Lebens ist.
  • Sie kommen nicht jeden Tag mies gelaunt von der Arbeit nach Hause.

Jeden Tag verärgert nach Hause zu kommen, hilft niemandem. Weder Ihnen, noch Ihrer Familie. Im Gegenteil. Wenn Sie Ihren Frust bei Ihrem Partner oder Ihren Kindern rauslassen, verschlechtert sich auch deren Stimmung – sie werden angesteckt. Das könnte so weit führen, dass Sie ins schwarze Loch fallen, sprich in Depressionen. Nur wegen dem Geld eine Depression riskieren. Wäre das ein guter Deal für Sie?

Angenommen Sie hätten die Wahl zwischen folgenden zwei Jobs. Welchen würden Sie nehmen?

  1. Job 1: CHF 6’000 Monatslohn, perfekter Job für Ihre Ansprüche & Interessen, naher Arbeitsort etc.
  2. Job 2: CHF 9’000 Monatslohn, langweiliger Job, schlechtes Arbeitsklima, weiter Arbeitsweg etc.

Schwierig? Blenden Sie diese CHF 3’000 Unterschied pro Monat? Es kommt natürlich darauf an, in welcher Situation man sich gerade befindet. Ist man auf viel Geld angewiesen, nimmt man Job 2. Auch wenn Sie nur eine Zwischenlösung für einige Monate oder Jahre suchen, käme evtl. Job 2 in Frage. Wenn Sie aber mit CHF 6’000 pro Monat gut leben können und sich einen Job bis zum Ende Ihres Lebens aussuchen müssten, wäre wahrscheinlich Job 1 die einzige Lösung. Die Zufriedenheit geht vor. Der Beruf macht mit ca. 8 Stunden pro Tag einen Drittel Ihres Tages aus. Und das ein ganzes Leben lang, bis zu Ihrer Pensionierung.

Nun wäre es interessant zu wissen, ab welchem Lohn Sie sich für Job 2 entscheiden würden. 6’000 (Job 1) sind 66,6% von 9’000 (Job 2).

Das heisst, wenn jeder Franken, den Sie im Job 2 verdienen, nur 66,6% Ihres Wertes haben & jeder Franken im Job 1 den vollen Wert hat, dann sind beide Jobs gleich gut geeignet.

Dies natürlich ausgerechnet mit Hilfe eines imaginären “Glücklichkeitsfaktors“. Was Sie glücklich macht, hängt von unzähligen Faktoren ab. Diese Faktoren haben alle eine andere Gewichtung. Zum Beispiel ist ein gutes Arbeitsklima für Sie wichtiger als ein höherer Lohn. Bei jemand anderem wäre es vielleicht umgekehrt. Unser Tipp: Gehen Sie nicht stur dem Geld hinterher, sondern suchen Sie Ihre grosse “Liebe”. Nicht nur den richtigen Lebenspartner, sondern auch den passenden Lebensjob.

Haben Sie schon einmal einen Job nur wegen dem Geld gemacht? Wie fühlte sich das an? Wenn Sie darüber nachdenken, würden Sie in der gleichen Situation nochmals dasselbe machen? Warum?

 
Veröffentlicht am 10.07.2013
Autor: Dieser Beitrag wurde von Stephan Tchen verfasst.

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