Stephan Tchen: Sparen ist schlecht für die Wirtschaft?

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Stephan Tchen über die Sparquote und das Wirtschafswachstum.

In der Volkswirtschaft hat man gelernt, dass man in einer Rezession grundsätzlich ausgeben muss, während man in der Hochkonjunktur einen Gang runterschalten sollte.

Anders gesagt: In der Hochkonjunktur reduziert die SNB die Geldmenge, um eine erhöhte Inflation zu vermeiden. Die Geldmengenreduktion bewirkt die Senkung der Nachfrage, weil weniger Geld im Umlauf ist, und somit die Senkung des Preisniveaus. Die Produkte werden günstiger.

In der Rezession wird die Geldmenge erhöht, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Geldmengenerhöhung bewirkt die Steigerung der Nachfrage, weil mehr Geld im Umlauf ist. Die Leute haben mehr Geld zum Ausgeben, daher führt es zu einer Steigerung des Preisniveaus. Die Produkte werden teurer.

Zur Vertiefung finden Sie hier nützliche Links zu Inflation und Deflation.

 

Was ist mit Sparen bzw. Horten?

Oft werden Leute aufgefordert in einer Rezession Geld auszugeben, damit die Wirtschaft nicht noch einen grösseren Rückschritt erleidet. Wie viel Wahrheit steckt aber dahinter? Ist es jetzt wirklich schlecht, wenn Sie Ihr Geld sparen würden? Es kommt drauf an, welche Art von Sparen. Man unterscheidet vor allem zwischen: 1. Sparen auf dem Sparkonto und 2. Horten. Der Unterschied zwischen Sparen und Horten ist, dass man beim Horten das Geld bei sich zu Hause unter der Matratze verstaut oder sein Geld einfach in der Geschäftskasse behält.

Horten ist schlechter, viel schlechter für die Wirtschaft, da auf diese Weise kein Geld in den Umlauf gebracht wird.

 

Antizyklische Konjunkturpolitik

Eine These stammt von einem der einflussreichsten Ökonomen Maynard Keynes. Er behauptete, wenn in einer Rezession alle anfangen zu sparen, tut es der Wirtschaft ungut. Weiterhin verursacht es mehrere Probleme wie höhere Arbeitslosigkeit, weniger Güter etc., die schlussendlich zu einem Teufelskreis führen – die Wirtschaft wird immer wie schlechter.

Der Hintergrund dieser These ist die antizyklische Konjunkturpolitik. Also eine Politik, in der der Staat mehr ausgibt, wenn die Wirtschaft schlecht läuft bzw. weniger ausgibt, wenn es gut läuft. Das Thema Keynesianismus wird aber oft als Gesprächsthema eingesetzt, um bei anderen Leuten intellektuell anzukommen. Die Kritik an den Keynesianismus wird meist ignoriert, zum Teil aus Unwissen.

Diese Theorie ist grundsätzlich richtig. Es gibt zwei Gründe, warum das aber nicht (ganz) stimmt:

  1. Angebot vs. Nachfrage
  2. Sparen auf dem Sparkonto = Liquidität

Erstens: Wenn die Nachfrage sinkt, setzen die Anbieter tiefere Preise. Wenn die Preise sinken, kaufen die Leute automatisch wieder ein. Das ist ein ganz natürlicher Algorithmus. Das funktioniert immer, egal wie konsumfreudig der Durchschnittsmensch ist. Zu irgendeinem Preis wird der Mensch immer ein Wirtschaftsgut einkaufen. Besteht keine oder nur eine geringe Nachfrage, so vermindert der Anbieter seine Preise, um trotzdem mehr Konsumenten zu finden.

Zweitens: Sein Geld auf ein Sparkonto zu legen, nimmt nicht Geld aus dem Wirtschaftskreis heraus. Mehr Ersparnisse auf dem Sparkonto bedeutet mehr Liquidität für Banken. Diese stellen es den Investoren zur Verfügung, welche dann mehrere Projekte starten. Dementsprechend stellen Sie mehr Arbeitskräfte ein und entwickeln innovative Produkte zugunsten unseres Wohlstandes.

Das heisst also, wann immer Sie Geld auf ein Sparkonto legen, pumpen Sie die Banken mit Geld, damit sie es an Investoren ausleihen können. Genauso, wie wenn ein Unternehmen ein Darlehen aufnimmt, um damit Gewinn zu machen. Das ist ein einfaches Beispiel wie der Wirtschaftszyklus funktioniert.

 

Horten bringt der Wirtschaft nichts

Diese Art von Sparen hilft der Wirtschaft überhaupt nicht. Man verstaut das Geld einfach zu Hause, womit das Geld nicht in den Umlauf kann. Wir fassen also zusammen:

Solange das Geld in einem permanenten Zyklus seinen Besitzer wechseln kann, schadet es der Wirtschaft nicht.

Überlegen Sie sich also, ob Sie Ihr Geld horten oder doch aufs Sparkonto legen wollen. Eigentlich gibt es keinen Grund, sein Geld zu Hause zu verstauen. Ein tiefer Zins von 0.25% ist immer noch besser als gar nichts. Kritisch wird es nur dann, wenn eine Bankenpleite wahrscheinlich ist.

Sparen Sie Ihr Geld auf einem Sparkonto? Verstauen Sie teils Geld in Ihrem Haus aus Misstrauen gegenüber Banken? Weshalb?

 
Veröffentlicht am 10.03.2014
Autor: Dieser Beitrag wurde von Stephan Tchen verfasst.

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