Stephan Tchen: Wie (un)profitabel sind Sportwetten?

Stephan Tchen: Wie (un)profitabel sind Sportwetten?
Sie sind hier: Startseite » Kolumne + Comics » Stephan Tchen: Wie (un)profitabel sind Sportwetten?


Stephan Tchen über die rechnerischen Verluste beim Spielen mit Sportwetten.

Sportwetten ist ein beliebtes “Spiel” wie Poker. Grund: Jeder kann es spielen. Die Frage ist nur wie profitabel?

Im Normalfall gar nicht (mathematisch). Hier die Erklärung. (Wir berücksichtigen in diesem Post nur das Spielsystem “Sieg, Remis oder Niederlage”.)

Bei Sportwetten spielt die Wahrscheinlichkeitsrechnung eine grosse Rolle. Mathematisch gesehen, hängt es nur von den Wahrscheinlichkeiten im Zusammenhang mit den gesetzten Quoten der Wettbüros ab.

Die Höhe der Quoten ist der wichtigste Faktor bei der Entscheidung auf wen man setzt. Je wirtschaftlicher die Wettbüros ihre Quoten setzen, desto schwieriger ist es für die Spieler, langfristig Geld zu verdienen. Handelt ein Wettbüro unwirtschaftlich – sprich die Spieler gewinnen zu viel – hätte das Wettbüro längst dicht gemacht. Der Durchschnittsmensch verliert langfristig immer bei Sportwetten.

 

Mathematischer Beweis: Es lohnt sich nicht

Nachfolgend sehen Sie eine Grafik, welche uns mathematisch beweist, dass Sportwetten bei gegebener Wahrscheinlichkeit und Quote unprofitabel sind.

  • 1. Spalte: Die vorgegebenen Quoten des Wettbüros.
  • 2. Spalte: Die Wahrscheinlichkeit, inwiefern ein Ereignis eintritt (entweder auf Vergangenheit basierend oder auf Teamstärke, Form etc.).
  • 3. Spalte: Der EV zeigt, wie viel CHF Sie pro eingesetzten CHF langfristig zurückbekommen.
  • 4. Spalte: ROI (Return on Investment); so viel Gewinn bzw. Verlust in % machen Sie.
  • ROI bei Blindsetzung: Wird genauer in der Excel-Tabelle erklärt.


Was Wettbüros machen:

  1. Sie berechnen die Wahrscheinlichkeit, inwiefern ein Ereignis zutrifft.
  2. Sie rechnen sich aus, wie viel sie verdienen wollen, falls ihre Wahrscheinlichkeit wahr wäre.
  3. Sie berechnen ihre Quoten.

Dass Wettbüros ihre Quoten setzen, ist rein hypothetisch nicht ganz richtig. Sie setzen zuerst die Wahrscheinlichkeitswerte basierend auf die für sie relevanten Faktoren. Erst anhand dieser Werte berechnen sie ihre Quoten. Ihr Ziel dabei ist es, die Quote so hoch zu setzen, dass sie den grösstmöglichen Ertrag erzielen. Um herauszufinden, wann das Maximum an Ertrag erwirtschaftet wird, suchen sie die goldene Mitte der Quoten. “Bei welcher Quote sind die Leute bereit, bei uns zu wetten, so dass wir trotzdem noch genug Geld verdienen?”

Obenstehendes Beispiel: Wenn ein Spieler auf Heimsieg (Quote 1.9, Wahrscheinlichkeit 40%) wettet, gewinnt das Wettbüro im Schnitt 24% des eingesetzten Betrages. Das Wettbüro überlegt sich: “Um wie viel erhöht sich die Spieleranzahl, wenn wir die Quote von 1.9 auf z.B. 2.1 erhöhen würden?” Anders ausgedrückt: “Wie viele Kunden haben wir mehr, wenn wir unseren Preis um x-% senken?”

Der einzige Weg, langfristig mit Sportwetten Geld zu verdienen, ist wenn das Wettbüro ihre Quoten unintelligent setzen. Das heisst, wenn sie die Wahrscheinlichkeiten falsch berechnen.

Hier finden Sie das Excel-File, in der Sie die Quoten und Sieg-Wahrscheinlichkeiten eingeben können. Danach sehen Sie, ob sich mathematisch ein Tipp lohnt bzw. wie viel Sie vom gesetzten Betrag zurückbekommen.

 
Veröffentlicht am 10.11.2014
Autor: Dieser Beitrag wurde von Stephan Tchen verfasst.

Auch interessant:
Stephan Tchen: Rabatt – Tief in die Tasche greifen kann profitabel sein
Stephan Tchen: Lohn, Glück und die Nutzwertanalyse
Stephan Tchen: Gefahr Provisionslohn: Wenn man immer mehr will
Stephan Tchen: Lotto spielen lohnt sich nicht
Stephan Tchen: Mehr Arbeitsplätze, wenn reiche Leute weniger verdienen?